Ich habe mit einem Bekannten über Philipp Bargfrede diskutiert und ob er nicht ein Kandidat für Löw und auch für die WM wäre. Er spielt im zentralen, defensiven Mittelfeld, genau da, wo Herrn Löw langsam aber sicher die Spieler ausgehen. Frings wird wohl nicht mehr begnadigt, also bleibt Löw wohl nur die Hoffnung, dass sich die von ihm hochgeschätzten Hitzlsperger, Rolfes oder Khedira noch leistungsmäßig berappeln oder rechtzeitig fit werden.

Oder aber, er nimmt Bargfrede mit - jung, taktisch stark, diszipliniert, sicher und vor seiner Verletzung sogar Stammspieler. Aber da spricht natürlich einiges dagegen - wie wir festgestellt haben. Würde Bargfrede in Stuttgart oder in Hoffenheim spielen, hätte er sich auf Basis des Leistungsprinzips schon längst einen Einsatz im Nationalteam verdient, aber er spielt nun mal in Bremen und da ist es natürlich deutlich schwieriger, sich zu beweisen. Die vielen internationalen Spiele, die Spiele im DFB-Pokal, all das sorgt ja dafür, dass ein Stammspieler zu wenig gute Spiele zeigen kann um sich zu empfehlen.

Schon seit langem kann ich mit Löw und seinen Personalentscheidungen nichts anfangen, aber hier zeigt er auch wieder, dass man sich scheinbar erlauben kann, einen hoffnungsvollen Spieler zu übersehen. Außer, er würde in Hoffenheim oder in Stuttgart spielen.

10September

Der abgefärbte Hype

borttronic Werder Allgemein

Ist nur mir das gestern beim Länderspiel aufgefallen? Durch das Spiel von Özil am Samstag und dem damit verbundenen Hype hatte ich gestern das Gefühl, als ob einige andere Spieler den Hype aufgegriffen haben und zeigen wollten, dass sie auch ein Spiel so lenken können wie Özil und auch solche Tricks drauf haben - was teilweise bombastisch in die Hose ging.

Besonders aufgefallen ist mir das bei Podolski, Schweinsteiger und Gomez. Während Podolski und Schweinsteiger durchaus noch als passable Techniker gelten und auch das ein oder andere (meistens aber fruchtlose) Kunststück zeigten, hat Gomez für mich den Vogel abgeschossen.

Da wollte er einen schönen Übersteiger zeigen, tritt auf den Ball, dreht sich und muss dann erst mal schauen, wo überhaupt der Ball ist…

Da denk’ ich mir doch: Schuster, bleib bei Deinen Leisten.

Tim Wiese hat es in der Nationalmannschaft nicht leicht. Wobei das wahrscheinlich noch untertrieben ist. Als einziger der vier in Frage kommenden Nationalspieler spielt Wiese konstant international und auch (bis auf letzte Saison) immer in der Spitzengruppe der Liga mit. Ganz im Gegensatz zu Adler, Enke, Neuer, die zusammen vielleicht auf so viele Europapokal-Spiele kommen, wie Wiese schon gesammelt hat.

Auch seine Leistungen in Bremen sind in den letzten Jahren deutlich besser und konstanter geworden. Die Fehlerquote ist nach unten gegangen und die positiven Ausreisser überwiegen die Patzer bei weitem - zumindest nach meiner Wahrnehmung.

Deshalb ärgert es mich schon ein Stück weit, dass der Bundes-Löw dem Wiese keine wirkliche Chance gibt. Und das kann ich mir eigentlich nur durch eins erklären: er hat a) keine Lobby bei der Nationalmannschaft, in der Presse und in der “breiten Öffentlichkeit” und entspricht b) scheinbar nicht dem Typ Mensch und Fussballer, den Löw und Konsorten haben möchten. Anders ist es für mich auf jeden Fall nicht zu erklären, warum der meiner Meinung nach im Moment (und damit meine ich die letzten Monate) beste Torhüter einfach nicht eingesetzt wird.

Diesem Thema hat sich auch Olaf Thon im kicker angenommen. Seiner Aussage “Für Wiese sehe ich keine Chance” stimme ich voll und ganz zu (siehe oben), den Gründen allerdings nicht:

Für Tim Wiese sehe ich keine Chancen, auf den WM-Zug zu springen. Er wirkt übermotiviert und zu unbeständig.

Eine gewisse Übermotivation kann man zwar erkennen, was aber durchaus in Ordnung ist, solange dadurch die Leistungen gepusht werden (und das werden sie bei Wiese). Die Unbeständigkeit kann ich allerdings nicht erkennen.

Deshalb werden wir uns wohl damit abfinden müssen, dass die drei mit dem Mainstream kompatibelsten Torhüter zur WM fahren, derjenige, der sich traut, auch mal die Schnauze aufzureissen, aber wohl in Urlaub gehen kann.

Eigentlich ist mir die Nationalmannschaft ja nicht so besonders wichtig. Ich schau mir die Spiele an, aber ohne irgendeinen Verve oder mit so einer Begeisterung wie Vereinsspiele. Was daran liegt, dass da einfach Spieler mit bei sind, die ich in der Bundesliga nicht leiden kann - dann kann ich sie unter der Woche nicht bejubeln - das ist aber ein anderes Thema.

Trotz allem verfolge ich natürlich alles rund um die Nationalmannschaft schon mit Interesse und da ist mir einiges aufgefallen, was ich sehr bedenklich finde.

Zu allererst einmal ist mir die Einladungspolitik wirklich suspekt. Scheinbar denkt Löw, dass er Spiele auch nur mit Indianern gewinnt und keine Häuptlinge braucht (oder aber denkt, dass er mit Macht Indianer zu Häuptlingen machen kann). Das merkt man daran, dass die “ältere Garde” immer weniger Chancen hat. Ein Lehmann ist schon weg vom Fenster, der nächste wird dann Frings sein und dann gibt es nur noch Ballack und Klose, die international erfahren und über 30 sind. Bei allem Respekt vor Schweinsteiger, aber mit seinen 24 oder 25 Jahren kann er noch nicht der große Wortführer sein.

Dazu werden dann Spieler eingeladen, die ein paar Spiele gut gemacht haben und direkt eingeladen werden - das erinnert mich doch schwer an die Ribbeck’sche Zeit. Allerdings lädt er dann auch nicht wirklich konsequent ein: ein Özil bleibt zu Hause, die Hoffenheimer werden aber eingeladen. Da frage ich mich schon, woran das liegt. Wenn ich Löw wäre, hätte ich nach Özil’s Entscheidung, dass er eigentlich für Deutschland spielen will, eingeladen und dann auch direkt mal für ein paar Minuten gebracht. Dann wäre er für die Türken ein für alle mal zu gewesen. Denn seien wir mal ehrlich: einen Spieler mit Özils Fähigkeiten und Technik haben wir in Deutschland im Moment nicht wirklich.

Was mich aber viel mehr stört, ist diese kleine Wort “Respekt”, was im Moment rund um die Nationalmannschaft schon fast inflationär benutzt wird. Da sagt ein Löw, dass der Trainer die Entscheidungen trifft und dass es “eine Frage des Respekts” ist, dass die Mannschaft dies zu akzeptieren hat. Da frage ich mich doch, ob da nicht irgend etwas schief läuft. Scheinbar fehlt Löw genau dieser “Respekt”, den ihm seine Spieler entgegen bringen sollen und er muss jetzt versuchen, diesen Respekt durch bewusst unpopuläre Entscheidungen zu erzwingen, um zu zeigen, dass er der starke Mann ist.

Schlimm ist, dass er es nötig hat. Da fehlt ihm scheinbar einfach die Klasse oder die Kontur. Bei einem Derwall, einem Beckenbauer, aber auch bei einem Ribbeck, Vogts und Völler hat es diese “Respekt”-Diskussion eigentlich nie gegeben. Da sollte sich vielleicht ein Löw auch mal kritisch hinterfragen.

 

Fußballer der zehnten Liga sind von einem Einsatz in der Nationalmannschaft normalerweise unendlich weit entfernt - fürNgemba Evans Obi vom SV Heimstetten II wird der Traum jedoch nun möglicherweise wahr. Der 24 Jahre alte Torwart des Münchner Vorortclubs wurde überraschend vom nigerianischen Fußball-Verband NFF für das Länderspiel am Mittwoch in Cali gegen Kolumbien berufen.

Herrlich, oder? Liegt wohl daran, dass alle anderen Torhüter wegen Visumproblemen abgesagt haben. Cool ist, dass der Kollege überhaupt auf dem Radar der nigerianischen Offiziellen ist.

http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,591233,00.html