Die typische Frage fast jeden Fans – gerade und besonders in der Transferperiode – ist die Frage nach dem Warum. Da wird von Interesse gesprochen, es hat Gespräche gegeben, diese ziehen sich hin. Dann hört man nichts, es kommt wieder ins Stocken, es bewegt sich, dazwischen der Spieler, der Berater und auf einmal Schachtjor Donezk, die mehr Geld bieten.
Da fragt man sich doch: warum? Warum kann der Sportdirektor (in diesem Falle Allofs) den Spieler (z.B. Sokratis oder Ignjovski) nicht schnell genug und sofort verpflichten? Warum werden diese Transfers immer zu einer Hängepartie?
Die ultimative Antwort darauf habe ich nicht, aber ich versuche hier einfach mal, mit einer gesunden Portion Menschenverstand und einiger Erfahrung in Verhandlungen, Licht ins Dunkel zu bringen. Ob meine Sichtweise stimmt oder nicht, weiß ich nicht. Zumindest klingt sie für mich stimmig.
Bevor es überhaupt zu irgendwelchen Gesprächen mit Spielern und anderen Vereinen kommt, werden wohl erst einmal vom Verein verschiedene Budgets aufgesetzt. Da wird es ein Budget für Gehälter geben, es wird ein Budget für Ablösesummen und Handgelder geben und es wird einen Topf für Prämien geben (der allerdings hier nicht wichtig ist).
Dann wird sich die sportliche Leitung (in unserem Falle Allofs und Schaaf) hinsetzen und eine Analyse durchführen – welche Spieler haben wir, welche Spieler brauchen wir, welche Spieler brauchen wir nicht und wo müssen wir nachbessern. Und schon geht es los.
Es gibt prinzipiell erst einmal vier Arten von Transfergeschäften: Vertragsverlängerung, Kauf, Leihe und ablösefreie Verpflichtung.
Bei der Vertragsverlängerung will der Verein mit dem Spieler verlängern. In der Regel läuft es wahrscheinlich so:
Verein: Hallo Berater, wir wollen mit Deinem Jungen verlängern, wir bieten ihm eine Verlängerung um 2 Jahre, dazu folgende Parameter an Gehalt und Prämien und dazu noch eine Signing fee in Höhe von, damit Ihr auch unterschreibt. Und wenn Ihr das innerhalb der nächsten paar Tage (Wochen) macht, dann legen wir vielleicht noch mal ein paar Prozent auf die Signing fee drauf.
Berater: Diskutiere ich, klingt aber gut/schlecht.
Dann gehen hier die Verhandlungen los und man einigt sich – oder man einigt sich nicht. Also eigentlich vom Ablauf her recht profan.
Beim Kauf sieht es dann schon anders aus, denn hier sind verschiedene Parameter und Grundlagen zu beachten.
Erst einmal ist der Berater eines Spielers so zu verstehen wie ein Headhunter in der normalen Berufswelt. Ein Spielerberater bekommt nicht den Auftrag eines Vereins, einen neuen Arbeitnehmer (Spieler) zu suchen, sondern eher umgekehrt ist der Fall.
Also, entweder tritt der Verein an den Berater heran (“hey, wir haben Interesse an Deinem Spieler”) oder vielleicht auch umgekehrt (“Hey Verein, ich hab hier jemanden, der könnte für Euch interessant sein”). Egal, wie es geht, man setzt sich irgendwann mal zusammen:
Verein: Hey Berater, wir haben Interesse an Deinem Spieler, wie schaut’s aus, kann der sich vorstellen, zu uns zu kommen? Und was hat der für Vertragsbestandteile? Gibt es eine feste Ablöse oder sonstige Klauseln?
Berater: Vorstellen kann er sich das schon und wir möchten folgendes: Laufzeit, Gehalt, Signing Fee, Optionen, Prämien, Shoppinggutschein für die Frau Gemahlin und so weiter und so fort.
Das ist dieses klassische “man klopft die Rahmenbedingungen ab”.
Jetzt setzen sich Manager und Trainer zusammen und überlegen, ob der Spieler zu den Bedingungen auch lohnt zu holen und ob – und das ist natürlich viel wichtiger – der ins ominöse Budget passt. Darüber hinaus wird man sich überlegen, welche und wie viele Spieler man sonst noch verpflichte möchte und ob noch Spieler den Verein verlassen.
Zwischenzeitlich hat man sich vielleicht schon mit dem bisherigen Verein in Verbindung gesetzt:
Verein A: Tach zusammen, den Spieler von Euch wollen wir. Gebt Ihr den überhaupt ab?
Verein B: Joa, überlegen können wir uns das. Aber der ist so wichtig für uns und der hat auch noch Vertrag, wir verlangen dies und das und jenes.
Verein A: OK, dann müssen wir mal in unserem Portemonnaie schauen, was wir finden.
Dann wird wieder gerechnet: passt der Spieler in das Gehaltsbudget (unter der Voraussetzung, dass ja auch eventuell andere Spieler noch kommen sollen) und können die Forderungen des abgebenden Vereins überhaupt erfüllt werden – auch vor dem Hintergrund, das noch andere Spieler kommen sollen.
Und es wird sich mit dem Trainer zusammengesetzt und eine Liste aufgestellt.
Manager: Jetzt sag mal, wen Du am ehesten brauchst.
Trainer: Alle auf einmal und sofort, aber wenn Du mich so fragst, dann muss ich erst einen Innenverteidiger haben, dann einen defensiven Mittelfeldspieler und wenn noch Geld über ist, kannste ja mal schauen, was noch so hängen bleibt.
Und schon greift man wieder zum Telefon und verhandelt sowohl mit dem Spieler als auch mit dem abgebenden Verein. Und damit man nicht zuviel Zeit verliert, macht man das mehrfach und parallel.
Da man aber nur einen gewissen Betrag x im Ablösebudget übrig hat, geht irgendwann das Geschachere los.
Manager: ich könnte Dir den Innenverteidiger sofort holen, aber da müsste ich soviel Geld auf den Tisch packen, dann kannst Du den defensiven Mittelfeldspieler vergessen.
Trainer: das ist scheisse, ich brauche aber beide
Manager: Dann warte einfach noch etwas, dann versuche ich, beides hinzubekommen. Und wenn es wirklich nicht funktioniert, dann guck ich mal, ob Opa Aufsichtsrat nicht noch etwas über hat.
Und schon geht die ganze Geschichte wieder von vorne los.
Und genau das ist der Grund, warum sich Sachen so verzögern.
Bei einer Leihe ist es übrigens ähnlich wie beim Kauf und ablösefreie Verpflichtungen funktionieren ähnlich wie Vertragsverlängerungen.
Es ist leider nicht immer so einfach, wie man es haben will. Es gibt immer drei Parteien, die sich einigen müssen: Aufnehmender Verein, abgebender Verein, Spieler. Und es gibt immer auch verschiedene Spieler, mit denen man sprechen muss. Und schlussendlich muss man immer auch noch aufs Geld und auf die Budgets schauen.