Hab zwar keine Karte für das aktuelle Pokalfinale bekommen, aber ich habe ja schon mal ein Pokalfinale mitgemacht – und zwar 2000 gegen Bayern München, die Neuauflage von ’99. Ich glaube, es war schon alleine daher ein besonderes Finale, weil es das erste mal war, dass die gleichen Mannschaften zweimal hintereinander im Finale standen.
Über Uwe Jahn habe ich damals eine Karte zu einem Spottpreis bekommen, es gab das Wochenend-Ticket von der Bahn, also bin ich am Finaltag um 5 Uhr morgens zum Hauptbahnhof nach Siegen gefahren, im Rucksack eine Palette Beck’sDosen (damals noch ohne Pfand) und über die Dörfer nach Berlin – und das mit 7 Mal umsteigen oder sowas in der Art. Anfangs war ich noch der einzige Fahrgast mit Trikot, Schal und dem Fahrtziel Berlin (Bier hatten die anderen auch), aber je weiter man gen Osten fuhr, desto bunter wurden die Züge, bis sich schließlich ganz klar die grün-weißen Waggons von den rot-weißen Waggons abgrenzten und die gestressten Zivilreisenden schmollend zwischen den Wagen aufhalten mussten.
10 Stunden und eine Palette Beck’s später kam ich in Berlin Ostbahnhof an. Dort traf ich einige andere Werderaner, mit denen ich verabredet war und ab zum Europaplatz neben der Gedächtniskirche. Traumhaftes Wette, super Stimmung und lecker Beck’s (Gott sei Dank fanden wir auf dem Weg dorthin noch einen Getränkehändler, der seine Preise noch nicht verzehnfacht hatte, so dass wir tatsächlich preiswert an die Getränke kamen). Besonders in Erinnerung ist mir das Feiern der Werder-Fans im Brunnen am Europaplatz geblieben, die erst skeptischen, dann doch wohlwollenden Blicke der Berliner und ganz ehrlich, die superfreundliche Stimmung, auch mit den Bayern-Fans.
Irgendwann war dann doch Zeit für’s Stadion. Ohne Einlasskontrolle (ich hatte noch drei Dosen Bier im Rucksack) rein ins Stadion. Da es superwarm war und ich mittlerweile doch den einen oder anderen Liter Bier intus hatte, habe ich mich während des Spiels darauf beschränkt, Wasser zu trinken. An das Spiel selber kann ich mich nicht mal groß erinnern, bloss, dass ich Gänsehaut hatte, als die Nationalhymne gesungen wurde und an den doch recht festlichen Rahmen. Bayern war besser, hat Werder die Grenzen aufgezeigt und eigentlich verdient gewonnen. Einzig Jancker hätte sich schenken können, den Werderfans den Effe zu machen.
Aber egal, Werder war auf jeden Fall im UEFA-Cup und das musste und wollte gefeiert werden. Also, nach dem Spiel kurz die Enttäuschung aus den Gliedern geschüttelt und ab auf den Ku’damm ins (genau passend) Hofbräuhaus. Dort fanden sich eine Menge Bremer und auch Münchner ein, um zu feiern. Kurioserweise feierten aber nur die Bremer. Die Bayern saßen fast apathisch an den Tisch mit einer Miene, als hätten sie gerade in Barcelona gegen ManU verloren.
Irgendwann konnte ich aber dann doch nicht mehr, musste aber noch 4 Stunden warten, bis mein Zug wieder gen Heimat fuhr. Also: ab zum Bahnhof Zoo und dort hab ich gesehen, dass ja ziemlich viele Menschen dort schliefen, also hab ich mir gedacht, da kann man sich ja gut dazu legen. Kurz überlegt, was denn so wichtiges am Mann ist: Uhr? Egal, komme auch ohne nach Hause. Handy? Egal, komme auch ohne nach Hause. Portemonnaie? Nicht ganz egal, aber ich komme zur Not auch ohne nach Hause. Schuhe? Nicht egal. Ohne Schuhe geht gar nix.
Also: Schuhe aus, hingelegt und geratzt. Nach knapp 3 Stunden wenig erholsamen Schlaf, dann eine lecker Berliner Currywurst als Frühstück, in den Zug und dann erst mal Ewigkeiten gepennt.
War aber eine sehr schöne Tour und würde ich jederzeit wieder machen.
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