24Februar

Der Absturz

borttronic Bundesliga » Werder Allgemein

Irgendwie bin ich seit dem Wochenende total resigniert. Egal, was jetzt passiert: irgendwie ist es mir egal - ist ja eh nur noch ein Strohfeuer.

Im Weserblog ist eine interessante Diskussion entbrannt, woran denn bitte diese Krise liegen könnte.

Auch ich habe mir natürlich Gedanken darüber gemacht.

Also, woran liegt es?

Transfers

Mit fast der gleichen Mannschaft ist Werder letzte Saison Vizemeister geworden. Borowski ging, Pizarro kam, für Boro wurde schon in der letzten Winterpause mit Özil Ersatz geholt, Prödl dazu als Ergänzung, also eigentlich alles gut.

Aber auch nur eigentlich. Alberto floppte total und seitdem habe ich den Eindruck, als sei Allofs gehemmt, was Transfers anging. Die Chance, in der Winterpause noch einmal nachzulegen, wurde verpasst. Es wurde lediglich Tziolis geholt, der allerdings auch noch den Beweis seiner Klasse schuldig blieb. Es wurde über Fred nachgedacht, der allerdings dann nach Brasilien ausgeliehen wurde und es wurde auch über einen Dante nachgedacht, der aber lieber nach Gladbach wechselte.

Die größten Problemzonen blieben unverändert - und diese Problemzonen heißen Linksverteidiger, Rechtsverteidiger, Sturm. Was uns zum nächsten Punkt bringt:

Kader

Eigentlich ist der Kader gut besetzt. Wiese im Tor ist in der Nationalmannschaft, Merte und Naldo sind in Normalform mit das beste Innenverteidigerpärchen der Liga. Boenisch auf links hat gute Ansätze, aber da fehlt einfach noch einiges. Fritz auf rechts spielt seit Monaten unterirdisch. Gute Ansätze wie gegen Mailand macht er sich selber wieder kaputt.

Im Mittelfeld spielt Baumann seinen Stiefel runter, Frings auch unterirdisch, Diego oftmals einfallslos und Özil fehlt es einfach an Konstanz.

Der Sturm? Naja, Pizarro trifft recht zuverlässig, aber Rosenberg und Almeida entwickeln sich nicht wirklich weiter.

Der Kader ist - siehe letzte Saison - aber dennoch stark genug, um eigentlich oben zu mitzuspielen. Aber warum kommt das nicht? Wahrscheinlich wegen dem nächsten Punkt:

Bank

Hier ist für mich eine ganze Menge im Argen, wenn ich mir die Spieler anschaue: Pasanen und Vranjes spielen grundsolide, wenn sie spielen. Aber mir fehlt ein wenig die “Geilheit”, Druck auszuüben. Tosic ist einfach nur Tosic, hier kann ich nicht verstehen, warum man immer noch an ihm festhält. Jensen hat es meiner Meinung nach auch hinter sich, Harnik und Hunt haben viel zu viel mit sich selber zu tun, als dass sie der Mannschaft aktuell helfen können. Und Prödl braucht einfach nur Zeit. Ansätze sind da, aber auch da braucht es noch etwas, damit er Werder weiterbringt. Aber dafür hat man ja einen…

Trainer

Das erste mal in seiner Zeit habe ich den Eindruck, als würde sich Schaaf doch abgenutzt haben. Die Spieler entwickeln sich alle kaum weiter, es wird meiner Meinung nach, viel zu spät gewechselt (meistens erst nach 65-70 Minuten oder gar noch später) und selten wirklich überraschend. Das Wechseln alleine macht aber den Kohl auch nicht fett, aber es ist auch eine gewisse Übertreue zu erkennen, denn selten verlässt Schaaf sein…

System

Noch vor einigen Jahren war das 4-4-2 mit Raute ein modernes, offensives und gutes System. Das ist es heute oft auch noch, aber was mir bei Werder fehlt, ist eine gewisse Flexibilität. Ob man jetzt mit zwei “Sechsern”, drei Stürmern oder einer Dreierkette in der Abwehr spielt, spielt ja prinzipiell keine Rolle. Aber bei Werder sieht man seit Jahren NUR die Raute. Mittlerweile wissen das die Gegner alle und dementsprechend kann man sich sehr gut auf die Mannschaft einstellen. Da bedarf es meiner Ansicht nach einfach eines gewissen Umdenkens, damit man nicht mehr so abhängig ist von…

Individualität

Die individuelle Klasse der einzelnen Spieler ist in den meisten Fällen unbestritten und ich schaue auch gerne einem Diego beim Zaubern zu. Aber nur Zaubern reicht einfach nicht. Oder besser: nur er zaubern reicht einfach nicht - die anderen müssen auch mitziehen. Ich bin jetzt mal so forsch und behaupte, dass es eine solche Krise wie die aktuelle mit einem Micoud im Mittelfeld nicht gegeben hätte. Ob er oder Diego die größere Diva ist, lasse ich mal dahin gestellt, aber Micoud hatte im Gegensatz zu Diego mehrere Vorteile: erstens konnte er ein Spiel besser lenken. Wenn er der Meinung war, das Spiel sollte schnell werden, wurde es schnell und umgekehrt. Er konnte dribbeln (sehr gut sogar), war aber eigentlich Verfechter des “One-touch” - im Gegensatz zu Diego. Micoud war sich selten zu schade, auch mal reinzugrätschen. Diego versucht es zwar auch, aber meistens aus Frust. Und Micoud war in der Mannschaft als Leader anerkannt. Das ist Diego wahrscheinlich nicht, zumindest sehe ich das nicht im…

Mannschaftsgefüge

Früher hieß es immer ganz stolz, man sei bei Werder eine große Familie. Mittlerweile habe ich den Eindruck, dass es sich nicht mehr nur um eine, sondern um ganz viele Familien handelt. Und das ist für mich recht kontraproduktiv. Mir fehlt die Bereitschaft, sich für andere den Arsch aufzureissen, mir fehlt die Bereitschaft, mit den anderen über seine Grenzen zu gehen und mir fehlt irgendwie das Gefühl, dass alle zusammen spielen wollen. Ich habe den Eindruck, als müssten sich die Jungs mal gepflegt zusammen einen hinter die Binde kippen, sich dann ein paar auf die Mappe geben und dann weiter trinken - bei vielen funktioniert das ja blendend. Aber das ist noch nicht alles, was quer läuft.

Disziplin

Geht eigentlich einher mit den anderen Punkten, aber Disziplin scheint es bei Werder 2008/2009 nicht zu geben. Wenn die Jungs sich im Training mal an die Köppe gehen, ist das in Ordnung und okay (haben Micoud und Ernst ja auch schon gemacht), aber solche Schoten wie sich Diego und Pizarro erlauben, das funktioniert einfach nicht. Und gerade von Pizarro bin ich enttäuscht. Dass er mal in einem Spiel ausrastet, ist ärgerlich, aber menschlich. Dass er aber dann seinen Flieger verpasst? Nope, das ist unverzeihlich. Dementprechend ist die Reaktion von Schaaf verständlich und notwendig. Aber was bringt es? Wahrscheinlich nichts, denn es gibt es den…

Konkurrenzkampf

Was ich an Schaaf sehr schätze, ist seine Spielertreue. Wenn er von einem Spieler überzeugt ist, dann stellt er diesen immer und immer wieder auf und stützt ihn dadurch (s. Fritz), aber dadurch wird den anderen Spielern natürlich vermittelt, dass sie machen können, was sie wollen, sie haben eh kaum Chancen, dass sich etwas am Status quo ändert. Es gibt zwei Positionen, auf denen fleissig gewechselt und rotiert wird (im Sturm neben Pizarro und links hinten). Der Rest ist starr - ausser, ein Spieler ist verletzt oder gesperrt.

Dadurch erreicht Schaaf natürlich einerseits eine gewisse Eingespieltheit, aber dadurch verringert er natürlich den Konkurrenzkampf.

So leid es mir tut, aber ich kann einen Diekmeier verstehen: ich glaube kaum, dass er in Bremen die Chance bekommen hätte, sich in der ersten Mannschaft zu zeigen. Warum bringt Schaaf nicht einfach mal Spieler aus der U23. Talent haben sie, den Willen haben sie wahrscheinlich auch und “Versuch macht kluch”.

Was mich zur Zukunft bringt. Auch da schüttel ich ein wenig mit dem Kopf ob der 

Transferpolitik

Wenn ich mir so den Kader für die kommende Saison anschaue, bekomme ich ein bisschen Magengrummeln. Klar ist, dass etwas passieren wird, die Frage ist bloss, was passiert. Ich wage mal folgende Prognose:

Tor: bleibt unverändert - ist auch in Ordnung. Bessere Keeper sind wohl nicht auf dem Markt

Innenverteidigun: mit Merte, Naldo und Prödl eigentlich gut besetzt

Rechts: da muss definitiv jemand kommen, um Fritz Feuer unterm Arsch zu machen

Links: Ich gehe mal davon aus, dass Tosic gehen darf (muss) und dass sich hier der nächste versuchen darf. Hier muss dringend etwas geschehen.

Mittelfeld: Ich vermute, dass Baumann seine Stiefel an den Nagel hängt. Dafür hat man wahrscheinlich schon Tziolis ausgeliehen. Ob im Mittelfeld wirklich was passieren muss oder wird, hängt wahrscheinlich von Diego ab. Ich gehe im Moment einfach mal davon aus, dass er geht. Das wäre die Chance für Özil, sich auf der “10″ festzuspielen und wenn Hunt wieder fit ist, das Offensivspiel zu lenken (abgesichert durch Tziolis und Frings). Alternativ kommt vielleicht ja auch Alberto zurück. Das würde ich mir wünschen, dass er dann vielleicht durchstartet.

Sturm: ich glaube, hier ist einiges notwendig. Pizarro würde ich aktuell nicht verpflichten. Dafür dann bitte einen neuen, auch gerne teureren Knipser, auf den man sich verlassen kann. Rosenberg ist, wie Almeida, viel zu schwankend in seinen Leistungen, als das man sich darauf verlassne kann. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass einer von beiden oder beide gehen müssen. Wenn man sich die aktuellen Verträge mal anschaut, hätte Werder nächste Saison folgende Stürmer: Rosenberg, Almeida, Sanogo (wenn er nicht in Hoffenheim bleibt), Harnik, Hunt (obwohl eher Mittelfeld), dann kommen zurück Schindler (aus Rostock), Husejinovic (aus Lautern), Mosquera (aus Dänemark). Macht 8 Stürmer, von denen aber 6 Perspektivspieler sind.

Abgänge: ich vermute, für Pasanen und Jensen ist die Werderzeit nach der Saison abgelaufen.

Insgesamt muss man Allofs vielleicht vorhalten, dass er sich in den letzten zwei Jahren zu sehr auf “Perspektive” konzentriert und nicht darum gekümmert hat, die Mannschaft sofort zu verstärken.

Fazit

Es liegt einiges im Argen in der Mannschaft und auch im Umfeld. Ich hoffe, dass Werder jetzt irgendwie noch 40 Punkte erreicht, dass man nicht in Abstiegsnot gerät und dass man sich irgendwie in den UEFA-Cup mogelt (nach Berlin sind es noch 2 Siege). Diese Saison ist endgültig durch und eigentlich sollte man jetzt schon zusehen, für die nächste Saison zu arbeiten und den Kader umkrempeln. Dass es mit wenigen, punktuellen Verstärkungen nicht zu machen ist, sollten Schaaf und Allofs mittlerweile spitz bekommen haben. 

Kurzfristig hilft wohl nur ein Erfolg in den nächsten Spielen, damit die Mannschaft vielleicht mal aufwacht. vielleicht wäre es sinnvoll, mal neue Impulse durch Spieler aus der U23 zu setzen. Ob dies das Allerheilmittel ist, weiß ich nicht, aber es wäre mal seitens Schaaf ein Zeichen

 

2 Kommentare

Stephen schrieb am 24. Februar 2009 @ 15:19

Nette Zusammenfassung. Leider ist das ganze ja sehr komplex, sprich die einzelnen von Dir angesprochenen Punkte beeinflussen sich gegenseitig. Vielleicht war das Mannschaftsgefüge schon in den Jahren zuvor nicht ganz die heile Familie, aber solange der Erfolg da war, hat man sich nicht damit beschäftigt bzw. es wahrgenommen.

Zum Konkurrenzkampf würde ich noch folgendes anmerken: Zum einen sagst Du, das von der Bank nichts kommt, aber andererseits beschwerst Du Dich, dass nicht genügend Konkurrenzkampf da ist. Ich sehe das so, dass die Alternativen sich einfach nicht durch Leistung aufdrängen. Ein Vranjes bietet keinen Anlass, den Baumann rauszunehmen. Ob Tosic oder Boenisch auf links ist auch fast egal. Hunt und Jensen waren lange verletzt. Pasanen ist kein Außenverteidiger, der offensiv Akzente setzt, wie sie im System von Werder benötigt werden. Von daher ist es schwierig einen Konkurrenzkampf am köcheln zu halten, wenn die Leistungen der nachdrängenden Spieler nicht stimmen.

Und zu Diekmeier muss man auch mal anmerken, dass er auch in der zweiten kaum zum Einsatz gekommen ist. Warum kann man ihn dann verstehen, wenn er dem Konkurrenzkampf aus dem Weg geht? Wäre er der Überfliger der Zweiten gewesen, könnt ich es ja noch verstehen, wenn man ihm nachweint, aber so?

borttronic schrieb am 24. Februar 2009 @ 15:36

Deinen Anmerkungen kann ich fast komplett zustimmen ;-)

Der Konkurrenzkampf ist leider absolut nicht da - zumindest nicht von den “arrivierten”. Weder Pasanen noch Tosic, Jensen, Hunt oder Harnik üben genug Druck auf, um diesen Konkurrenzkampf zu schüren. Aber ist es da nicht notwendig, dass andere Impulse gesetzt werden? Also, dass jemand aus der U23 seine Chance erhält? Da spielen ja schon die einen oder anderen talentierten Jungs.
Und Diekmeier? Talentiert ist er auf jeden Fall und ich finde es schade, dass so einer in Bremen keine Zukunft gesehen hat. Potential für die erste Mannschaft hätte er gehabt und ich hätte ihn auch gerne mal spielen sehen. Hätte ja nicht schaden können. Er wäre sicherlich kein Heilsbringer gewesen, ich habe halt bloss die Befürchtung, dass aus ihm ein zweiter Rolfes wird.

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