Eigentlich schließt sich “schön” und “Niederlage” im Bezug auf Werder absolut aus. Nicht aber dieses eine, verlorene Spiel.
Wir schreiben den 34. Spieltag der Saison 2001/2002, Werder zu Gast in Dortmund. Die Ausgangslage vor dem Spiel ist klar: Dortmund hat einen Punkt Vorsprung auf Leverkusen, muss gegen Werder gewinnen, um noch Meister zu werden. Werder ist punktgleich mit Lautern auf Platz 6, muss zwei Tore Tordifferenz gegenüber Kaiserslautern verteidigen, die zeitgleich gegen den VfB Stuttgart antreten müssen, der hinter Lautern auf Platz 8 steht und für den es um eigentlich nichts mehr ging.
Dortmund in dieser Saison bärenstark, Werder eher schwankend (aber mit den schönen, grünen Trikots).
Auf geht’s:
Dortmund legt los wie die Feuerwehr, will möglichst schnell Klarheit im vollbesetzten Westfalenstadion haben. Werder wehrt sich tapfer. Aus fast heiterem Himmel schießt Stalteri das glückliche 1:0 - zu diesem Zeitpunkt ist Leverkusen Deutscher Meister und Werder sicher im UEFA-Cup. Dortmund kurzzeitig geschockt, aber leider nur kurzzeitig. Wer auch immer (ich meine, es wäre Koller gewesen), macht das eigentlich verdiente Unentschieden. Da zeitglich Leverkusen gegen Berlin führt, und Lautern auch nur Unentschieden steht, ist alles gut. Bayer Meister, Werder im UEFA-Cup.
Kurz nach der Pause geht Stuttgart gegen Lautern in Führung. JAWOLL - Werder im UEFA-Cup. In Dortmund passiert derweil nicht viel - zumindest aus Bremer Sicht: Dortmund drückt und drückt (zur Erinnerung: Leverkusen führte mittlerweile mit 2:0 gegen Hertha, Dortmund musste also gewinnen). In Stuttgart glich Hristov in der 60. Minute aus - wird das jetzt wieder eng? Immerhin war der BVB dem 2:1 bedenklich nahe. 65. Minute: 3:2 Stuttgart - wieder Erleichterung im Fanblock. 71. Minute: 3:3 durch Klose… Aua. Dortmund drückt. 73. Minute: 4:3 Stuttgart. Gott sei Dank… Bitte Werder, nur noch 20 Minuten das Unentschieden halten, Bälle wegpöhlen - NEIN! 74. Minute: 2:1 Dortmund durch Ewerthon. Dortmund jetzt Meister, Werder aber dank des besseren Torverhältnisses immer noch im UEFA-Cup. Und zwar genauso lange, wie Lautern nicht trifft - aber bei diesem verrückten Spiel…
Um es kurz zu machen: irgendwann kam in Dortmund der Abpfiff und wenige Sekunden vorher in Stuttgart der Abpfiff. Dass die gelb-schwarzen total aus dem Häuschen waren, lag auf der Hand - sie waren schließlich gerade Meister geworden. Langsam aber sicher breitete sich im Gästeblock aber folgende Nachricht aus: “Lautern hat auch verloren.” - “Werder im UEFA-Cup” - “WERDER IM UEFA-CUP” Geschafft. Werder spielte international. Als das alle wirklich begriffen haben, brauchten sich die grün-weißen hinter den feiernden Dortmundern nicht mehr zu verstecken.
Stefan und ich gingen freudestrahlend und “Das W auf dem Trikot” singend unter der Tribüne in Richtung Ausgang (nicht, ohne vorher noch ein oder zwei Wegbiere einzusacken) und wen sehen wir? Herrn Fischer, der sich uns spontan anschloß, um die Werder-Hymne zu intonieren. Seltsame Blicke seitens der Dortmunder waren uns spätestens dann sicher, als sich mehrere Dutzende Werder-Fans spontan vor der Getränketheke aufbauten und Werder hochleben ließen.
Im Rückblick war diese Niederlage für mich der Wendepunkt zweier “Epochen”. Für Dortmund war es der bisher letzte Titel und für Werder war der Weg zurück ins internationale Geschäft erreicht und Schaaf konnte weiter seine Politik der permanenten Verbesserungen durchführen.
Noch heute denke ich oft an dieses Spiel zurück - besonders dann, wenn mich ein Ex-Kollege damit aufziehen will. Dann erwidere ich einfach: wir haben uns getroffen, unsere Wege haben sich gekreuzt, Werder ist bloss in die richtige Richtung gegangen, Dortmund hat sich verlaufen.
spirit schrieb am 10. Juli 2008 @ 13:46
Ja, das war echt schööön. Hab grad spontan Gänsehaut bekommen :o)
Es ist wirklich unglaublich beeindruckend gewesen zu sehen wie 70000 schwarz-gelbe Menschen um einen herum gleichzeitig in die Luft springen.
Und es war wirlich Koller…. :o)